Was bedeutet Essen und Kochen?  

(Lesezeit: ca. 5 min.) 

Viele denken, dass Kochen und Essen lediglich die Grundbedürfnisse stillen soll. Gerade alleinstehende Menschen, wie auch ich einer war, kochen eben schnell etwas, nur weil sie essen müssen. Dabei hat Essen und Kochen eine große Wirkung auf unseren Körper und unsere Emotionen. Den körperlichen Einfluss merken wir sehr schnell. Zu häufig Fastfood oder zu wenig Obst und Gemüse und der Körper fühlt sich schlapp, nimmt an Gewicht zu, usw. Ob Über- oder Unterernährung, unsere Lebensqualität wird sinken. Die Qualität unserer Lebensmittel und unserer Gerichte, die wir daraus kochen, haben auf unser gesamtes Leben Einfluss.
Wie bereits erwähnt beeinflusst es unsere Emotionen. Einmal, weil bestimmte Lebensmittel Hormone, wie z.B. Endorphine beeinflussen können. Zum anderen, weil unser Essverhalten von unserer kulturellen Herkunft berichtet und unser Sozialverhalten prägt. Jedes Land hat seine eigene Esskultur, jede steht für etwas Eigenes. Diese Esskultur hat dich von Kind auf geprägt. Die Esskultur hat dein Essverhalten beeinflusst. Auf die Esskultur gehen wir in den späteren Kapiteln ein. Das Essverhalten soll nun beleuchtet werden. Es gibt die Redewendung: „Der Mensch ist, was er isst.“ Das ist gar nicht so falsch. Dein Essverhalten, kann viel über deinen Charakter verraten. Das ist in der Ernährungspsychologie bekannt und so konnte sie neun Esstypen kategorisieren. Sehr wahrscheinlich wirst du dich in einer oder mehreren von ihnen wiederfinden.

Der Stress- oder Frustesser
Die Psychoanalytikerin Hilde Bruch führte die Kategorie in den 30er Jahren ein. Ihr fiel auf, dass viele Flüchtlinge und Witwen, mehr aßen. Sehr wahrscheinlich ist das Frust- bzw. Stressessen tief in unseren Instinkten verankert. Da Stresssituationen damals vor allem durch Flucht und Krieg hervorgerufen waren und diese einen erhöhten Energieverbrauch mit sich brachten. Heute versuchen wir, durch die erhöhte Nahrungsaufnahme, unsere schlechten Gefühle zu kompensieren. Das klassische Beispiel wäre die Frau, die Mengen von Eis, wegen Liebeskummer verdrückt. Auch Studenten oder Menschen in einem stressigen Beruf, kennen dieses Essverhalten gut.

Der Sensationssucher
Dieser Kategorie verfallen besonders Männer. Hierbei geht es um die Suche nach Neuem. Die Speisen dürfen und müssen aufregend sein und anders schmecken. Hierbei sind scharfe, deftige oder starkgewürzte Rezepte sehr beliebt. Die Psychologin Gisela Gniech stellte bei ihrer Forschung fest, dass dieser Typ eher zu einer ungesunden Ernährung neigt und vermehrt Alkohol konsumiert. Der wiederum nicht speziell sein muss. Dieser Typ ist vom Verhalten weniger aufregend. Im Gegenteil, er neigt zu Selbstüberschätzung, Selbstbezogenheit und Bequemlichkeit.

Der Health-Food-Junkie
Hier sind die sogenannten „Klugscheißer“ zu finden. Dieser Typ achtet, wie der Name ahnen lässt, stark auf gesunde Ernährung. Nährwerttabellen und Kalorien zählen, gehören zum Alltag. Leider besteht die Gefahr der Selbstverherrlichung. Oft halten diese Menschen sich für so wahrhaftig, wie Mutter Theresa es war. Das Problem bei der Sache ist, dass sie versuchen andere zu ihrem Essverhalten zu missionieren. Wenn dieses Essverhalten auch gesund sein mag, schadet es öfter dem sozialen Umfeld.

Der gesunde Esser
Dieser Typ ähnelt dem Healt-Food-Junkie, nur ist er weniger fanatisch. Außerdem entsprechen diesem Typen mehr Frauen, dagegen weilen unter den Health-Food-Junkies mehr Männer. Markant für diesen Typ ist der Verzicht auf Fleisch oder Alkohol, um mehr Obst oder Gemüse zu essen. Charakterlich ist dieser Typ kompromissbereit und liebt neue Erfahrungen.

Der Bio-Esser
Dieser Typ ähnelt einem gesunden Esser, nur wirkt er dabei leicht elitär. Er fühlt sich für Umwelt verantwortlich und zeigt dies durch die Wahl seiner Produkte. Bio wird ähnlich wie eine Kleidungsmarke der Kategorie Gucci, hochgepriesen. Das Problem bei diesem Typ ist nicht die Wahl der Produkte (wobei an dieser Stelle zu erwähnen ist, dass das Bio-Siegel, nicht geschützt ist), sondern das verfälschte Moralverständnis. Oft denken diese Menschen, dass durch den Bio-Kauf, ihre gute Tat für den Tag erledigt wäre und sie gegenüber Menschen keine Verpflichtung mehr haben.

Der Schlinger
Dieser Typ kennt wohl jeder. Man findet ihn häufig in Fast-Food-Ketten. Er verfügt über die Fähigkeit, Mahlzeiten innerhalb von fünf Minuten zu verspeisen. Oft ist ihnen ihre Zeit zu kostbar, um sie an das Essen zu verschwenden. Das ist fatal, denn auch gemeinsame Essen enden schneller und der zwischenmenschliche Kontakt leidet.

Der Genießer
Dies ist das Gegenstück zum Schlinger. Dieser Typ kann sich komplett auf sein Essen fokussieren und nimmt sich Zeit. Völlerei gehört nicht zu seinen Eigenschaften und Fettleibigkeit ist unwahrscheinlich. Allgemein gelten diese Typen als ausgeglichene, friedlebige Persönlichkeiten. Leider gibt es kaum noch diese Esstypen. Denn eine Voraussetzung für das Genießen ist Zeit. Zeit ist wohl das kostbarste Gut in der heutigen Welt und oft wird sie falsch aufgeteilt. Dieser Typ macht in seinem Leben vieles richtig und man kann ihn als Vorbild nutzen.

Der Gourmet
Den Genießer darf man nicht mit einem Gourmet gleichstellen. Während der Genießer, allein wegen des Genusses isst, isst der Gourmet zusätzlich, um sein Wissen und seinen Lebensstil zu präsentieren. Meistens findet man diese Art von Menschen in Sterne-Restaurants. Diese Art Mensch hat die Tendenz an allem etwas Schlechtes zu finden und Menschen zu kritisieren. Hin und wieder neigen sie zu Angeberei.

Der Zweckesser
In der letzten Kategorie werden sich viele wiederfinden. Dieser Typ hat kaum Erwartungen an seiner Mahlzeit. Sie dient lediglich zur Stillung der Grundbedürfnisse. Qualität wird nicht hochgeschätzt. Daher holt man sich öfter mal was bei einer Fast-Food-Kette oder ein schnelles Fertiggericht beim Discounter. Es gibt viele Parallelen zu dem Schlinger. Nur dass dem Zweckesser, schlicht und einfach andere Dinge wichtiger sind. Dabei wird deutlich, dass dieser Typ eine klare Prioritätenliste hat, von der er ungern abweicht.
Meistens vermischt man die Essstile und sind auch von der aktuellen Lebenssituation beeinflusst. Dennoch wird hier deutlich, wie sehr dein Essverhalten, dein Sozialverhalten prägt.

Kulinarische Grüße 

Marco Heimerdinger

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Quellen- und Literaturverzeichnis:  

Der Stress- oder Frustesser

  1. (102) Dt. Ärzteblatt 88, Heft 43, 24. Oktober 1991
  2. Hilde Bruch, Eßstörungen: Zur Psychologie und Therapie von Übergewicht und Magersucht; Deutschland; Fischer Taschenbuch, 2004

Der Sensationssucher

  1. Gniech, Gisla; Essen und Psyche: Über Hunger und Sattheit, Genuss und Kultur; Deutschland, Springer Verlag, 2002